JAPANISCHE DRUCKKUNST IN DEN 1970ER JAHREN

Photographische Bilder und der Blick auf die Dinge

7. September bis 14. Dezember 2019

NODA Tetsuya, Diary; Aug. 22nd, 68ENOKURA Kôji, A Stain No. 1

Die Wanderausstellung aus dem Besitz der Japan Foundation präsentiert herausragende Werke japanischer Druckkunst, die seit den 1970er Jahren geschaffen wurden. In den Kapiteln „Das Zeitalter der photographischen Bilder“ und „Bilder von autonomer Materie“ werden Arbeiten von 14 namhaften Künstlern gezeigt, die zu der Entwicklung einer neuen Richtung in der japanischen Druckkunst beigetragen haben.

Im ersten Teil sind Werke von NODA Tetsuya zu sehen, der im Jahr 1968 den Großen Preis der „International Biennal Exhibition of Prints in Tokyo“ gewann und einen neuen Trend in der Druckkunst schuf. Er wandelte Gruppenphotos seiner Familie in Drucke um und verwendete dabei eine spezielle Methode, bei der Siebdruck und Holzdruck miteinander verbunden wurden. Zahlreiche andere Künstler ließen sich davon inspirieren, was in der Folge zu einer regelrechten Blütezeit der Druckkunst führte. Der besondere Reiz der neuen Technik bestand darin, dass die Künstler unnötige Bildelemente auf den Photographien entfernen und dadurch den Blick des Betrachters auf Informationen lenken konnten, die sie mit ihrem Konzept vermitteln wollten. Auch bot sie vielfältige Möglichkeiten, in kreativer und individueller Weise auf die damals populären Kunstrichtungen aus dem Westen wie Pop Art, Minimal Art oder Conceptual Art zu reagieren, die ebenfalls neue Bildsprachen hervorbrachten. In diesem Ausstellungsteil sind neben den Werken von NODA Tetsuya auch Arbeiten von KIMURA Kôsuke, MATSUMOTO Akira, SAITÔ Satoshi, KIMURA Hideki und HAGIWARA Sakumi zu sehen.

Der zweite Teil der Ausstellung widmet sich einer weiteren bedeutenden Strömung in der japanischen Druckkunst, die als eine Erweiterung der Mono-ha- (etwa „Schule der Dinge-“) Bewegung angesehen werden kann. Diese hatte zwischen 1968 und Anfang der 1970er Jahre Aufmerksamkeit erlangt und war dadurch gekennzeichnet, dass die Künstler hauptsächlich vorgefundene, natürliche Materialien wie Stein, Holz, Papier, Baumwolle oder Metall verwendeten. Dabei sahen sie die Materialien weniger als Werkzeuge für die Vermittlung ihrer Konzepte an, sondern zielten vielmehr darauf ab, ihnen eine eigene Stimme zu geben und für sich selber sprechen zu lassen. So wurde die grundsätzliche Frage nach den Grenzen der menschlichen Wahrnehmung in Bezug auf die Dinge der Außenwelt aufgeworfen. In diesem zweiten Teil der Ausstellung sind Werke von TAKAMATSU Jirô, YOSHIDA Katsurô, ENOKURA Kôji, IDA Shôichi, KAWAGUCHI Tatsuo, LEE Ufan, KANÔ Mitsuo und ICHIHARA Arinori zu sehen.

Die Ausstellung wurde von TAKIZAWA Kyôji vom Machida City Museum of Graphic Arts in Tokyo kuratiert. Das Japanische Kulturinstitut ist die einzige Ausstellungsstation in Deutschland.

Bitte beachten Sie den Vortrag „Jenseits der Großen Welle vor Kanagawa: Höhepunkte japanischer Druckkunst vom achten bis 21. Jahrhundert“ am 20. September 2019 um 19 Uhr (siehe hier), in dem Prof. Dr. Melanie Trede vom Institut für Kunstgeschichte Ostasiens der Ruprecht-KarlsUniversität Heidelberg auf die kunsthistorischen Hintergründe der Ausstellung eingehen wird.