RETROSPEKTIVE KENJI MIZOGUCHI

im Kino Arsenal, Potsdamer Straße 2, Berlin

6. Dezember 2019 bis 31. Januar 2020

The Loyal 47 Ronin (I) © 1941 Shochiku Co., Ltd.

Gerühmt für das fließende Gleiten seiner Kamerafahrten und die beeindruckende Schönheit seiner Bildkompositionen; gefeiert für die Komplexität seiner minutenlangen Plansequenzen und für die außergewöhnliche Sorgfalt und Präzision, mit der er Landschaften, Architekturen und Dekors zu zentralen Protagonisten seiner Filme machte; ausgezeichnet gleichermaßen für seine frühen schonungslosen Sozialstudien sowie für seine berührenden, historischen Melodramen: Kenji Mizoguchi (1898–1956) gehört zweifellos zu den großen Regisseuren des japanischen Kinos. Dabei wurde er außerhalb Japans erst mit seinem Spätwerk in der Folge zahlreicher Auszeichnungen auf europäischen Filmfestivals für SAIKAKU ICHIDAI ONNA (The Life of Oharu, 1952), UGETSU MONOGATARI (Tales of the Rain and Moon, 1953) und SANSHO DAYU (Sansho the Bailiff, 1954) bekannt. Die Möglichkeit eines umfassenderen Einblicks in Mizoguchis umfangreiches Werk – seine ersten Filme stammen aus den 20er Jahren, insgesamt sind unter seiner Regie weit über 80 Filme entstanden – bot sich entsprechend spät und muss auch heute noch ausschnitthaft bleiben, da ein Großteil seiner frühen Arbeiten nicht erhalten ist. Dessen ungeachtet positioniert das überlieferte Œuvre Mizoguchi als einen Fixstern der internationalen Filmgeschichte; dabei öffnet es sich unterschiedlichen Zugängen, beschreibt Zickzacklinien zwischen Genres und Filmstudios, verfolgt vielfältige formale Ansätze und Themen.

Neben der Poesie seiner Landschaftsbeschreibungen und seinen raffinierten Choreografien von Personen und Objekten sind es die Frauenporträts – die Darstellung des oftmals tragischen Lebens von Ehefrauen, Kurtisanen, Schauspielerinnen und immer wieder Geishas –, die sich leitmotivisch durch Mizoguchis Filmografie ziehen. Zwischen Anklage, Mitgefühl, aber zuweilen auch Fatalismus beschreibt Mizoguchi die unerbittliche Härte des Daseins japanischer Frauen, zeigt die Zwänge und Ungerechtigkeit einer starren, frauenfeindlichen Gesellschaftsordnung quer durch die Epochen.

In punkto Stellenwert und Strahlkraft seiner Filme wird Mizoguchi oft in einer Reihe mit seinen Regie-Kollegen Yasujiro Ozu oder Akira Kurosawa genannt. Mizoguchis Filme sind jedoch vergleichsweise selten im Kino zu sehen. Umso mehr freuen wir uns, mit Hilfe einer Förderung durch den Hauptstadtkulturfonds eine lange überfällige Retrospektive mit 22 Filmen Mizoguchis im Arsenal präsentieren zu können und damit ein Werk von singulärem inszenatorischen, bildlichen und narrativen Reichtum sowie großer emotionaler Tiefe zu erschließen.

Veranstaltungsort
Kino Arsenal
Institut für Film und Videokunst e.V.
Potsdamer Straße 2
10785 Berlin
Telefon: +49-30-26955-100

Weitere Informationen finden Sie in dieser PDF oder auf der Homepage des Kino Arsenal.

Die Retrospektive wurde durch eine Förderung des Hauptstadtkulturfonds ermöglicht. Mit Unterstützung der Japan Foundation in Tokyo und dem National Film Archive of Japan/Tokyo sowie dem Japanischen Kulturinstitut in Köln.