Direkt zum Inhalt

Direkt zur Navigation

Japanisches Kultur Institut

Newsletter

Immer gut informiert mit dem kostenlosen Newsletter des Japanischen Kulturinstitutes.

Hier anmelden

Japanisches Kulturinstitut

100 JAHRE BEETHOVENS 9. SINFONIE IN JAPAN

Das Gefangenenlager Bandô (1914 - 1920) und seine Bedeutung für den Kulturaustausch zwischen Japan und Deutschland

Freitag, 07. Dezember 2018 | 18 Uhr

Die Räuber in Nagoya © Sammlung Hans-Joachim SchmidtKinder in Bandô © Sammlung Hans-Joachim SchmidtSchneemann in Bandô © Sammlung Hans-Joachim Schmidt

Vorträge und Podiumsdiskussion

Nach Eintritt Japans in den Ersten Weltkrieg unterlag schon zu Kriegsbeginn die Besatzung der Festung Qingdao in dem in China gelegenen deutschen Pachtgebiet Jiaozhou den Angreifern. In der Folge gerieten etwa 4.400 deutsche und 300 österreichisch-ungarische Marinesoldaten und Kriegsfreiwillige in japanische Gefangenschaft.

Die Haftbedingungen gestalteten sich bis zur endgültigen Auflösung der Lager im Jahr 1920 höchst atypisch und für die Inhaftierten in aller Regel als sehr human und freizügig. Besonders bekannt geworden ist das nahe der heutigen Stadt Naruto auf Shikoku gelegene Lager Bandô. Ein liberal und humanistisch eingesteller Lagerkommandant ermöglichte es den Gefangenen, kulturelle, handwerkliche und sportliche Aktivitäten zu entfalten, sich fortzubilden und sich dabei auch mit der Sprache und Kultur Japans zu befassen. Dabei ergaben sich vielerlei Kontakte nicht nur zum Lagerpersonal, sondern auch zur umliegenden Bevölkerung, von der beide Seiten profitierten. So wurden auch kulturelle Aufführungen veranstaltet und eine hiervon erlangte besondere Berühmtheit, nämlich die erstmalige Aufführung von Beethovens 9. Sinfonie am 1. Juni 1918.

Die Historiker Hans-Joachim Schmidt und Dr. Frank Käser werden in ihren Vorträgen beispielhaft das Lagerleben ausgewählter Insassen anhand von Selbstzeugnissen rekonstruieren und darüber hinaus Persönlichkeiten vorstellen, die als ehemalige Insassen nach Kriegsende Bedeutendes für den kulturellen und wissenschaftlichen Austausch geleistet haben.

Im Anschluss an zwei Vorträge der Historiker Hans-Joachim Schmidt und Dr. Frank Käser führt Professor Jan Schmidt von der Universität Leuven (Belgien) ein Podiumsgespräch mit den Referenten.

Biographien aus Bando (1917 bis 1920) – Probleme und Ergebnisse historischer Rekonstruktionsversuche

von Hans-Joachim Schmidt, Heusweiler (Historisch-biographisches Projekt zu deutschen Gefangenen in Japan 1914-1920)

»Les grandes vacances de la Kriegsmarine« lautet eine Überschrift aus einer französischen Monographie zur Gefangenschaft der »Helden von Tsingtau« in Japan 1914-1919. Im Abstand von hundert Jahren (und verglichen mit dem Schicksal von Millionen Gefangenen 1937-1945) mag es tatsächlich so scheinen, als ob die Jahre als »Gäste des Tennos« eine Idylle gewesen sind – Musik, Theater, Sport am laufenden Band, Stichworte »Bando« und »Neunte Sinfonie«.

Natürlich ist das eine unzulässige Vereinfachung. Hervorstechendes Merkmal der Gefangenschaft war, hier wie andernorts, das »Warten« auf das Kriegsende, auf die Heimkehr. Einen nach Völkerrecht möglichen Arbeitszwang für die Mannschaften gab es in Japan nur sporadisch, was bedeutete, dass man selbst nach mehr oder weniger sinnvollen Beschäftigungsmöglichkeiten suchen musste. Als günstig erwies sich dabei die soziale Durchmischung: Soldaten und Zivilisten, Alte und Junge mit unterschiedlichen Professionen usw. Inwieweit diese Zeit die Betroffenen »geformt« hat bzw. ob sie überhaupt einen Einfluss auf deren Vita hatte, muss offen bleiben. Tsingtau und die Gefangenschaft gerieten fast vollständig in Vergessenheit. Der größte Teil der Heimkehrer hat, warum auch immer, nichts über diese Zeit berichtet, und von »Heldentum« mochte niemand mehr reden. Auf die Idee, die Aufführung der »Neunten« in Bando als kulturelle Initialzündung zu feiern, kam man auch in Japan erst mit einem halben Jahrhundert Abstand. Gleichwohl ist es legitim (und entspricht einem tiefen menschlichen Bedürfnis), die Erinnerung an das Positive aus jenen fünf Jahren zu bewahren.

In Fernost viel Neues - Deutsch-Japanische Beziehungen nach dem Ersten Weltkrieg

von Dr. Frank Käser, Freie Universität Berlin

Der Erste Weltkrieg bedeutete für das deutsch-japanische Verhältnis eine Zäsur, da langjährig aufgebaute Beziehungen ein jähes Ende im Jahre 1914 fanden. Gleichzeitig wurde der Austausch zwischen Deutschland und Japan durch die deutschen Kriegsgefangenen fortgesetzt, die aus Qingdao (Tsingtau) nach Japan gelangt waren. Als dann der Krieg 1918 endete und der Frieden zwischen Deutschland und Japan 1919 durch den Versailler Vertrag wiederhergestellt war, waren es sowohl alte als auch neue Akteure der deutsch-japanischen Beziehungen, darunter ehemalige Kriegsgefangene, die den Austausch zwischen beiden Ländern förderten und festigten. Im Vortrag sollen einige dieser Persönlichkeiten vorgestellt werden, die nach dem Ersten Weltkrieg in den deutsch-japanischen Beziehungen aktiv waren.

Mitveranstalter: Deutsch-Japanische Gesellschaft e.V. Köln